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Gewaltfreie Kommunikation am Arbeitsplatz

Aktualisiert: 8. Dez. 2023

Möchtest du gerne wissen, wie du Stress reduzieren kannst, mehr Leichtigkeit in deinen Arbeitsalltag bringst und wie eine wertschätzende Kommunikation zur effektiven Aufgabenerledigung beiträgt?


Ganz ehrlich, ich kenne wirklich gute Strategien hierfür aber ein Blogeintrag reicht nicht, um dir das alles beizubringen. Stattdessen möchte ich dir hier einen kurzen Überblick über das Modell und die wesentlichen Aspekte der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg geben.




Hast du Lust auf ein kleines Experiment?

Los geht's!


Stell die linke Hand vor deinem Gesicht auf. Nimm nun die rechte Hand dazu und schieb' die Linke weg. So richtig mit Kraft!



Was ist passiert?

Hat sich die Position deiner Hände verändert oder hast du dich nur angestrengt Druck auszuüben und anstatt die linke Hand wegzuschieben, hat diese automatisch Gegendruck erzeugt?


So ist das meistens in unserem Leben und eben auch in der Arbeitswelt!

Wir bekommen Druck und geben ihn weiter. Im Zweifel an uns selbst.


So funktioniert auch unsere Sprache. Vor etwa 8.000 Jahren veränderten sich die meisten Sprachen von prozessorientierten Sprachen hin zu eher statischen Ausdrucksformen. Es entstanden Mittel, mit denen wir kategorisieren und uns mit anderen vergleichen konnten. So fielen Entscheidungen, wer belohnt oder bestraft wird leichter. Und das war und ist scheinbar in einer Welt, die von Hierarchien geprägt wird auch sinnvoll. Deshalb sind diese Strukturen fest in uns verankert und auch unsere Denkmuster folgen diesem Schema.


Zwar gibt es bei uns immer noch starke Hierarchien, besonders in der Arbeitswelt, wenn wir nun aber den Blickwinkel wechseln und unser Leben nicht dadurch definieren, dass wir einem uns höher gestellten Menschen dienen, sondern dass alle Menschen gleichwertig sind, dann brauchen wir eine neue Sprache, die unsere Haltung unterstützt.


Und hier setzt die GfK an.


Lasst uns anfangen, den Druck rauszunehmen.


Rosenberg hat dazu 4 Schritte definiert, die uns helfen, weg von statischen Denkmustern und hin zu einer prozessorientierten Kommunikation zu kommen.


Ich zeige dir gleich die 4 Schritte. Vorher möchte ich noch kurz auf die dazugehörige Haltung kommen.

In der GfK gehen wir davon aus, und das ist nicht neu, sondern in der Psychologie schon lange bekannt, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse haben. Maslow hat dazu eine Bedürfnispyramide entwickelt, die dir vielleicht bekannt ist.


Rosenberg hat „herausgefunden“, dass jede unserer Handlungen dazu dient, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Zwar haben wir dafür manchmal absurde Strategien aber das ist eine andere Sache.

Wir können selbst entscheiden, wie wir die Welt sehen und wir haben immer eine Wahl.

Das erkennen wir oft nicht, weil die meiste Zeit des Tages unsere Kommunikation auf Autopilot verläuft! Wir sind darin trainiert. Wir hören oder sehen etwas, packen blitzschnell eine Bewertung dazu und entscheiden uns für Kampf oder Rückzug! Und so tappen wir immer wieder in die gleichen Fallen, die zu Unzufriedenheit, Frust und Missverständnissen führen.


Wenn ich mir statt automatisiert zu reagieren klar darüber bin, was ich in diesem Moment tatsächlich brauche und in der Königsdisziplin auch noch, was mein Gegenüber eigentlich mit seinen Worten ausdrücken wollte, dann kann eine Verbindung entstehen, mit der wir ganz andere, konstruktive Lösungen finden.


Wenn ich das so verkürzt darstelle, dann denkst du vielleicht: Ich weiß auch im Autopiloten genau was ich will. JA, das glaube ich dir. Nur wissen viele dennoch nicht, was sie brauchen! Und das kann zu großen Herausforderungen führen, wenn wir immer versuchen das zu kriegen, was wir wollen aber nie wissen, was wir eigentlich brauchen.

Hier geht es auch um den Bereich Gesundheits- und Stressmanagement, in Verbindung kommen mit mir selber herausfinden, was brauche ich eigentlich für mehr Leichtigkeit im Beruf und sich dann aktiv darum zu kümmern.


Das möchte ich nun anhand der 4 Schritte verdeutlichen.


Folgende Situation:

Ich habe einen Kollegen, wenn ich sehe, dass er im Meeting dabei ist, dann steigt unweigerlich mein Blutdruck und es dauert nie lange, bis er mir oder jemand anderem ins Wort fällt, um in einem unendlichen Dialog über Gott und die Welt zu lamentieren. Aber niemals ohne nicht über andere Kollegen, vornehmlich aus dem Kundenservice herzuziehen.

Eigentlich schätze ich meinen Kollegen, er hat einiges auf dem Kasten, er ist ein Spezialist auf seinem Gebiet und er ist fast immer hilfsbereit, wenn ich eine Frage an ihn habe. Nur im Meeting, da kennt er keine Etikette und hält sich an keine Verhaltensregel.


1. Schritt: Beobachtung statt Bewertung

Beobachtung: Unterbricht andere Personen im Meeting, spricht abwertend über Kollegen, hält sich nicht an Gesprächsregeln.

Bewertung: Lamentiert, kennt keine Etikette.


2. Schritt: Gefühle statt Gedanken

Gefühle: Ärger, Unsicherheit, Ungeduld

Gedanken: Muss das sein, warum ist der so unhöflich, kann der das nicht im Einzelgespräch anbringen, dem sind seine Kollegen ganz egal.




3. Schritt: Bedürfnisse statt Strategien

Bedürfnis: Respekt, Wertschätzung, Gehört werden, Sicherheit und Verständnis

Strategie: Von 11.45 bis 12.15 ist Meeting, jeder hat Zeit, seine Beiträge zu platzieren und jeder lässt den anderen aussprechen.


4. Schritt: Bitte statt Forderung

Bitte:

1. Meinen Chef bitten, den Kollegen an die Einhaltung der Regeln zu erinnern. Hier würde ich die Forderung jedoch nur weitergeben und es hätte vermutlich ebenso wenig Erfolg wie wenn ich sie selbst aussprechen würde.

2. Lieber Kollege, wenn du mich im Meeting unterbrichst, dann macht mich das ärgerlich und unsicher, ob ich alles was mir wichtig ist in dem Moment sagen kann. Ich wünsche mir Respekt und die Sicherheit, dass du dich an unsere Meetingregeln hältst. Bist du bereit, im nächsten Meeting zu warten, bis ich ausgesprochen habe?

3. Bitte an mich selbst: Wenn der Kollege das Meeting betritt, dann nehme ich die Veränderungen in meinem Körper wahr, ich spüre, dass ich ärgerlich und ungeduldig werde. Ich nehme die Empfindungen wahr und sie dürfen da sein. Ich atme einfach weiter, ich achte darauf meinen Kiefer nicht zu verkrampfen und für mich zu sorgen. Und das ist die Bitte: Wenn deine Bedürfnisse nicht versorgt sind, dann kümmere dich um dich selbst.


Forderung: Halte dich gefälligst an unsere Meetingregeln.


Ich habe die 3. Form der Bitte gewählt und nach einiger Zeit hat sich tatsächlich etwas verändert!


So lässt der Stress, der sich anstauen zu drohte schnell wieder nach und ich bin in der Lage höflich zu bleiben und dennoch bestimmt für meine wichtigsten Bedürfnisse einzustehen. Ich provoziere nicht und ich verändere auch nicht direkt etwas zum besseren, ich verhalte mich lediglich so, wie ich es mir von diesem Kollegen auch wünschen würde. Und so werden meine Bedürfnisse nach Respekt, Wertschätzung, Verständnis und Sicherheit doch noch erfüllt. Und zwar durch mich selbst.

ICH WILL: geordnetes Meeting – ICH BRAUCHE: Respekt, Sicherheit etc.


Und jetzt mal unter uns: Wie vermessen ist es denn auch zu erwarten, dass jemand anderes sich um meine Bedürfnisse kümmert, wenn ich es nicht mal selbst kann? Der Kollege kümmert sich schließlich auch ganz gewissenhaft um sich selbst.

Das soll nicht heißen, dass jeder egoistisch durch die Welt laufen und sich nur um seine eigenen Belange kümmern soll. Es soll nur heißen, dass wir uns zuerst um unsere eigenen Bedürfnisse kümmern, damit wir dann in der Lage sind zum Wohle anderer, zum Gelingen des Projektes, zur Erreichung der gemeinsamen Ziele beizutragen.

Und hier trifft das Beispiel aus dem Flugzeug einfach den Nagel auf den Kopf: Versorge im Notfall zuerst dich selbst mit Sauerstoff, denn nur dann kannst du auch anderen helfen. Zunächst kannst du ganz genau hinschauen, was hat die Situation mit mir zu tun und was kann ich machen, damit es mir besser geht. So nimmst du den Druck raus und der Stress lässt nach.


Wie schon erwähnt, es gibt immer mehrere Strategien und wir haben immer die Wahl.

Das wichtigste ist, zu erkennen was wir brauchen und darauf weisen uns unsere Gefühle hin.


Oder wie Rosenberg es beschrieben hat, unsere Bedürfnisse sind wie das Cockpit eines Autos. Wenn dort eine rote Lampe leuchtet, dann sollten wir uns um das Problem kümmern, sonst fährt das Auto nicht mehr lange weiter. Die Lampen sind übertragen auf uns unsere Gefühle. Wenn wir sie bewusst wahrnehmen, zeigen sie uns sehr deutlich, ob unsere Bedürfnisse gut versorgt sind oder ob irgendwo Handlungsbedarf ist.


Ich weiß, das sagt sich alles so leicht. Leider haben wir kein Cockpit und die Meisten von uns haben verlernt ihre Gefühle wirklich wahrzunehmen. Tatsächlich wurden wir oft so sozialisiert, dass immer jemand anderes für unsere Gefühle verantwortlich ist.


Nehmen wir mal ein neues Beispiel:

Du sitzt zusammen mit einigen Kollegen im Besprechungsraum und ihr wartet auf den Chef, damit das Meeting beginnen kann. Nun kommt seine Assistentin und sagt euch, dass das Meeting heute ausfällt, weil der Chef noch in einem anderen Meeting ist.

Wenn wir uns anschauen, was diese Situation für Gefühle auslösen kann, kann das durchaus unterschiedlich sein.

1. Du kannst dich über die gewonnene Zeit freuen

- Hier könnte Entspannung im Vordergrund stehen, weil du heute früher nach Hause kannst.

2. Du könntest dich auch ratlos fragen: Wieso hat der Chef für die Zeit aber für uns nicht, sind wir nicht wichtig? - Vielleicht hattest du die Anerkennung für deine Arbeit gewünscht?

3. Du hast vielleicht viel Zeit für die Vorbereitung investiert und bist jetzt sauer, dass das nicht gesehen wird. – Vermutlich willst du Wertschätzung für deine Arbeit.

4. Oder du machst dir vielleicht sogar Sorgen um deinen Arbeitsplatz und hättest gern Sicherheit und Klarheit darüber was diese Unternehmensberater hier eigentlich im Haus machen.


Je nachdem welche Bedürfnisse uns in diesem Moment wichtig sind, interpretieren wir die Situation ganz unterschiedlich.



Außerdem können wir mit verschiedenen Ohren hören!

Hierzu habe ich noch ein kleines Beispiel:


Ich halte einen Vortrag und eine der Teilnehmer:innen sagt zu mir: "Der Vortrag war total am Thema vorbei"


1. Wenn ich mich angegriffen fühle und die Schuld abweisen möchte, würde ich vielleicht so reagieren:

"Da haben Sie wohl nicht richtig zugehört!"


2. Wenn ich die Schuld bei mir suche, würde ich vielleicht etwas erwidern wie: "Oh Mist, ich hätte mich echt besser vorbereiten sollen. Das ist ja wieder typisch für mich. Es tut mir wirklich leid. Vielleicht ist Kommunikation doch nicht so mein Ding."


3. Wenn ich den Satz mit Empathie- oder Giraffenohren höre, könnte ich so antworten: "Sie haben mir Ihre Zeit geschenkt und wünschen sich sicherlich, dass sie hier etwas erfahren, was Ihnen wirklich was bringt, stimmt das? Hätten sich von dem Vortrag mehr Inspiration gewünscht?"


4. Vielleicht trifft mich die Aussage auch so, dass ich mir erstmal selbst (stille) Empathie geben möchte und denke: "Wenn ich höre, dass der Vortrag nicht das Thema getroffen hat, dann bin ich etwas unsicher, ob ich wirklich die richtigen Schwerpunkte gesetzt habe, schließlich ist mir Kompetenz echt wichtig. Ich werde fragen, welche Themen den Leuten wichtig sind."


Ob der Kollege, Mitarbeiter, Chef mich auf die Palme bringt, das hat etwas mit mir zu tun.

Situationen, Worte, andere Menschen sind immer nur Auslöser für unsere Gefühle. Wir selbst sind für sie verantwortlich. Und das Gute ist: Wir selbst können lernen sie auch steuern. Zumindest zu einem gewissen Maß.

Das allerdings kann nicht an einem Wochenende erlernt werden, sondern ist ein wirklich langer, vielleicht nie endender Prozess in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung.


In meinen Kursen bekommst du einen Eindruck davon, was wirkliche Präsenz bedeutet, wie sich Empathie anfühlt, was das mit Wertschätzung zu tun hat, wie man Konflikte gewaltfrei lösen kann, damit alle davon profitieren und auch, wie konstruktives Feedback zu mehr Effizienz führen kann.


Schau doch mal hier, ob ein passender Termin für dich dabei ist oder schreib mir einfach, dann setze ich dich auf die Warteliste für kommende Seminare.







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